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Witold Hulewicz

…namens Witold Hulewicz

Es war in den 1980er Jahren. Eine größere Gruppe von Reportern war zu Gast bei Janusz Roszko in Bolechowice bei Krakau, in dem von Janusz bewohnten Herrenhaus, welches Janusz langsam vom Verfall wiederaufrichtete.

Janusz war der Leiter des Reportage-Clubs beim polnischen Journalistenverband, und ich war sein Stellvertreter. Genau wie im Club der faktographischen Literatur (Klub Literatury Faktu), dessen Präsident der Reporter Krzysztof Kąkolewski war. Beide Verbände, der Journalistenverband SDP (Stowarzyszenie Dziennikarzy Polskich) und der Schriftstellerverband ZLP (Związek Literatów Polskich), nahmen die Idee auf, die polnische Reportage aufzuwerten. Dies geschah trotz der Tatsache, dass Warschau  so tat, als wäre es auf Krakau beleidigt, und Krakau so tat, als wäre es auf Warschau beleidigt.

In Zusammenarbeit mit großen Verlagen haben wir die Herausgabe einer Reportage-Serie, bestehend aus polnischen und ausländischen Reportagen, initiiert. Wir haben angefangen, den Ksawery-Pruszyński-Preis für Reportage und Belletristik zu verleihen. Unsere Verbände organisierten Reportage-Workshops und Treffen mit Autoren. Eine wichtige Rolle spielte dabei Krystyna Goldbergowa, wir nannten sie „Die Mutter der Reporter, sie leitete die Reportage-Abteilung bei „Iskry“, einem Verlag, welcher der Entwicklung dieses Genres große Dienste leistete.

Zusammen mit einigen Kollegen waren wir gerade mit einem Reportage-Workshop fertig, da lud uns Janusz Roszko zu sich nach Hause, in das ehemalige Heerenhaus ein. Mit Janusz war ich befreundet, obwohl wir unterschiedliche Charaktere und Ansichten hatten, was uns nicht daran hinderte, zum Wohle der Reportage, der wir unser Berufsleben widmeten, zusammenzuarbeiten. Janusz war „Der Prinz der Reporter“, so nannten wir ihn. Wir hatten auch mehrere Könige: Wańkowicz, Lovell, Kąkolewski, Kapuściński. Die Namen der Königinnen müsste ich auch hier nennen, aber die Königinnen engagierten sich wenig in die Arbeit der beiden Clubs.

Der Gastgeber in dem ehemaligen Herrenhaus in Bolechowice begrüßte uns also am gedeckten Tisch. Das Gespräch kam auf Ksawery Pruszyński (1907-1950), den legendären polnischen Journalisten und Schriftsteller, nach welchem der von uns ins Leben gerufene Preis für Literatur benannt wurde. Janusz schätzte Pruszyńskis „ukrainische Feder“, bewunderte seine politische Einschätzung und das richtige Gefühl für die Bedrohung durch Hitlers Deutschland für Polen und die Welt. Seine Berichte aus der Freien Stadt Danzig, dass der Krieg dort beginnen würde, haben sich als prophetisch herausgestellt.

Janusz Roszko hat viel getan, um an das Leben von Ksawery Pruszyński, Autor von Trzynaście opowieści (Dreizehn Erzählungen) zu erinnern. Es war seine Initiative, eine Auswahl publizistischer und essayistischer Schriften zum Werk Pruszyńskis herausbringen zu lassen. Wir hörten dem „Prinzen der Reportage“ aufmerksam zu, während er erzählte. Als er auf Pruszyńskis Text Cosas de Polonia aus der Sammlung Trzynaście opowieści zu sprechen kam, überkamen mich Zweifel, ob die in Cosas de Polonia beschriebenen Geschicke der Wahrheit entsprachen. Cosas de Polonia handelte von einem, in Großpolen geborenen Literaten, der in der Zwischenkriegszeit in Vilnius und während der deutschen Besetzung in Warschau tätig war. Ich fragte Janusz nach dem Namen des in Cosas de Polonia beschriebenen Literaten. „Es ginge um Witold Hulewicz“ hiess es. Pruszyński schrieb zunächst recht kritisch über diesen Literaten, meinte aber schließlich, dass dieser Literat unter dem Deckmantel skandalöser Taten das Betreiben eines Cafés und Restaurants für Deutsche im besetzten Warschau, ein Netzwerk polnischer Untergrundpresse geschaffen hätte und für seine heldenhafte Haltung während der Verhöre durch die Gestapo ein Denkmal verdient hätte. Dieses Denkmal, so Pruszyński, hätte man für diesen Literaten in Vilnius errichten sollen, der Stadt, welche Jahrzehnte zuvor ihn als einen „Fremden“ bekämpfte. So hat uns Janusz Roszko von Pruszyńskis Einschätzung erzählt.

Zu dieser Zeit wusste ich zumindest soviel über Witold Hulewicz, dass er ein herausragender Übersetzer deutschsprachiger Literatur war, Freund von Rilke, Mitschöpfer des polnischen Rundfunks, Autor eines innovativen Buches über Beethoven Przybłęda Boży (Der Landstreicher Gottes), Autor des ersten polnischen Hörspiels Pogrzeb Kiejstuta (Das Begräbnis von Kiejstut, 1928) und  Herausgeber der ersten Untergrundzeitschrift im besetzten Land „Polska żyje“ („Polen lebt!“). Ich geriet in Streit mit unserem Gastgeber Janusz Roszko. Pruszyńskis Erzählung Cosas de Polonia, von der Janusz Roszko so beeindruckt war, entsprach nicht der Wahrheit. Witold Hulewicz hatte nie, auch nicht als Deckmantel für seine Untergrundtätigkeit, ein Café für Deutsche im besetzten Warschau betrieben. Als Pruszyńskis Rechtfertigung konnte folgendes gelten: Cosas de Polonia weit weg vom besetzten Land und kannte dessen Realität nicht.

Meine Antwort auf diesen Streit war, die Tochter von Witold Hulewicz zu finden. So hatte ich das Glück und die Ehre, die Autorin des biografischen Buches über ihren Vater Rodem z Kościanek (Ich komme aus Kościanki) kennenzulernen. Agnieszka Hulewicz-Feill war die Ehefrau von Roman Feill, einem enteigneten Landbesitzer, polnischem Vizemeister im Schrotflintenschießen, der während der deutschen Besatzung Polens den zukünftigen Teilnehmern des Warschauer Aufstandes den Umgang mit Waffen beibrachte und während des Aufstandes viele Zivilisten aus der Altstadt in die durch Aufständische kontrollierten Stadtteile geführt und beschützt hat.

Mit Zustimmung von Agnieszka Hulewicz-Feill und Roman Feill haben wir anlässlich des 100. Geburtstages von Witold Hulewicz einen, nach seinem Namen benannten Rat ehrenamtlicher Berater berufen (Kapituła Nagrody imienia Witolda Hulewicza). Seitdem legt dieser Rat die Zusammensetzung der Jury fest und vergibt jährlich Preise in den Bereichen Kultur, Kunst, Soziales, Wirtschaft, in denen auch der Patron des Preises tätig war.

In den ersten Jahren arbeiteten wir mit dem polnischen Schriftstellerverband zusammen. Besonders viel Unterstützung bekamen wir von den damaligen Präsidenten der Schriftstellerverbandes Wojciech Żukrowski und Lesław Bartelski. Einige der Gewinner des Witold-Hulewicz-Preises wurden Mitglieder des Rates (Kapituła Nagrody imienia Witolda Hulewicza), zum Beispiel die Schriftstellerin Barbara Wachowicz oder Stanisław Rostworowski, Historiker, Journalist, Sohn des im Gestapogefängnis ermordeten Kommandanten des Krakauer Bezirks der Heimatarmee AK (Armia Krajowa).

Dank der Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultur und Nationalerbe (Ministerstwo Kultury i Dziedzictwa Narodowego), den Selbstverwaltungen der Woiwodschaften Mazowieckie und Wielkopolskie, Stiftungen: Pomoc Polakom na Wschodzie, Wspólnota Polska sowie den Unternehmern Anna und Piotr Voelkel aus Posen haben wir die materielle Grundlage für die Auszeichnungen mit dem Witold-Hulewicz-Preis bekommen.

Im Jahr 2019 wurde diese Gruppe von Förderern um folgende Unternehmen erweitert: PKN ORLEN S.A., PGNiG, KGHM Polska Miedź S.A. Im Jahr 2019 betrug die Zahl der Auszeichnungen 42. Seit 2015 sind wir als Witold-Hulewicz-Verein tätig (Stowarzyszenie imienia Witolda Hulewicza).

Jede Vergabe des Witold-Hulewicz-Preises ist ein Fest der polnischen Kultur und Kunst. In der Aula des Hauses von Dom Literatury (Haus der Literatur) in Warschau, das an diesem Abend bis zum Rand mit Publikum gefüllt ist, zeichnen wir Menschen aus, die in ihrem Leben viel Gutes tun. Meist sind es Bewohner der Provinz, Bewohner von Städtchen und Dörfern. Für die meisten von ihnen ist der Witold-Hulewicz-Preis die erste Auszeichnung, die sie bekommen.

Unter den Witold-Hulewicz-Preisträgern sind auch berühmte Personen wie die Schriftstellerin Zofia Posmysz, Autorin des Romans Pasażerka (Die Passagierin) oder der weltbekannte Opernsänger Wiesław Ochman. Jährlich wählt die Jury etwa ein Dutzend Preisträger aus, in den letzten 25 Jahren waren es über dreihundert Preisträger. Das Interesse am Witold-Hulewicz-Preis wächst. Die Erwähnung des Preises erscheint bereits in den Biografien vieler Autoren.

Mit unserem Engagement bemühen wir uns darum, den Namen von Witold Hulewicz bekannt zu machen. Wir haben seinen Gedichtband über Vilnius (Miasto pod chmurami, Die Stadt unter den Wolken) und die literarischen Skizzen über Litauen (Gniazdo żelaznego wilka, Das Nest des eisernen Wolfes) neu aufgelegt. Basierend auf den Berichten der letzten Zeitzeugen wurde ein Dokumentarfilm über Witold Hulewicz gedreht: Inny. Życie Witolda Hulewicza. Meine Tochter Agnieszka Karaś schrieb über Witold Hulewicz ein Buch auf polnisch und ein Buch auf deutsch: Miał zbudować wieżę; Der Pole, der auch Deutscher war. Das geteilte Leben des Witold Hulewicz. Ihr Mann, der Filmemacher Kai von Westerman, war Kameramann bei dem polnischen Dokumentarfilm und Regisseur und Kameramann des deutschsprachigen Dokumentarfilms über Witold Hulewicz.

Wir versuchen, die Erinnerung an Witold Hulewicz, der in Palmiry einen Märtyrertod gestorben ist, zu bewahren. Sein Tod verpflichtet uns.

Romuald Karaś

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Gala Nagród im. Witolda Hulewicza Nagroda im. Witolda Hulewicza Witold Hulewicz

Edward W. Stańczak

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Aktualności Witold Hulewicz Witold Hulewicz on-line

Rok Hulewicza

2020: Rok Witolda Hulewicza

W związku z przypadającą w bieżącym roku 125. rocznicą urodzin Witolda Hulewicza, Stowarzyszenie ogłosiło rok 2020 – Rokiem Witolda Hulewicza. Jak podkreśla Romuald Karaś – prezes Stowarzyszenia im. Witolda Hulewicza: Rok ma na celu większą popularyzację postaci Witolda Hulewicza, zarówno w kraju, jak i poza granicami Polski. W bieżącym roku odbędzie się także jubileuszowa, 25. edycja wręczenia Nagród im. Witolda Hulewicza.

 

 

Witold Hulewicz, pseudonim literacki Olwid, pochodził z rodziny ziemiańskiej o tradycjach patriotycznych. Urodził się 26 listopada 1895 roku w Kościankach koło Wrześni.

 

W wieku osiemnastu lat został wcielony do armii pruskiej i walczył na froncie zachodnim I wojny światowej we Francji i w Belgii. W okopach tłumaczył na język polski przemycane wiersze pacyfistów niemieckich. Współredagował z braćmi dwutygodnik „Zdrój”, pismo literacko-artystyczne o nowatorskim w Polsce ekspresjonizmie. Brał udział w Powstaniu Wielkopolskim. W 1921 roku debiutował tomem poezji Płomień w garści. Należał do organizatorów wydawnictwa Ostoja w Poznaniu, promującego pisarzy polskich i zagranicznych.

 

Niesłychanie twórczy okres przypada na pobyt Witolda Hulewicza w Wilnie w latach 1925-1935. Redaguje wówczas „Tygodnik Wileński” pismo o ogólnopolskim charakterze. Sprawia, że Juliusz Osterwa przenosi z Warszawy do Wilna swój słynny teatr Reduta. Zakłada Związek Zawodowy Literatów Polskich w Wilnie. W Klasztorze Bazylianów odnajduje Celę Konrada, w której był więziony Adam Mickiewicz. Miejsce to służy cotygodniowym spotkaniom –„Środy Literackie”. Impreza ma charakter ogólnopolski a nawet międzynarodowy.

 

Witold Hulewicz jest organizatorem rozgłośni wileńskiej Polskiego Radia. Zatrudnia dwu świetnie zapowiadających się poetów: Konstantego Ildefonsa Gałczyńskiego i Czesława Miłosza. W 1928 roku rozgłośnia wileńska nadaje pierwsze polskie słuchowisko autorstwa Hulewicza „Pogrzeb Kiejstuta”. Jako tłumacz głównie literatury niemieckojęzycznej zasłużył się szczególnie przekładami twórczości Rainera Marii Rilkego, jednego z największych mistrzów słowa. Brał czynny udział w organizacji koncertów Beethovenowskich na Kresach.

 

Po przeniesieniu się do Warszawy kierował działem literackim w Polskim Radiu. Jego zasługą było stworzenie Teatru Wyobraźni jakim był Teatr Polskiego Radia. Słuchowiska pisali wybitni twórcy na czele z Jarosławem Iwaszkiewiczem i Jerzym Szaniawskim. W 1939 roku przemawiał przez radio do żołnierzy niemieckich oblegających Warszawę apelując do ich sumień. Stał u boku prezydenta Stefana Starzyńskiego w trakcie obrony stolicy. 10 października 1939 roku rozpoczął redagowanie i wydawanie tygodnika „Polska żyje”. Aresztowany i więziony na Pawiaku przeszedł tortury w katowni Gestapo na Szucha. Nikogo nie zdradził. 12 czerwca 1941 został rozstrzelany w Palmirach.

 

Twórczość Witolda Hulewicza jest bardzo różnorodna. W Wilnie wydał tom wierszy Miasto pod chmurami, tom szkiców kresowych Gniazdo żelaznego wilka. Efektem fascynacji dźwiękiem był tom Sonety instrumentalne. Beethovenowi poświęcił piękną opowieść Przybłęda boży. Dziedzina tłumaczeń to duża biblioteka.

Romuald Karaś